Unter der Lupe: Startups im Westjordanland

Startup-Unternehmen haben selbstverständlich nicht nur in Europa gute Chancen, sondern weltweit. Selbst in palästinensischen Gebieten, wo jeder nur an Grenzen oder Checkpoints denkt, hat sich eine rege Startup-Landschaft entwickelt. Mit ihren Geschäftsideen überwinden die jungen Menschen Grenzen und verlassen eingefahrene Gleise.

Eine Frau steht ihren Mann

Rowan Alawi ist eine dieser Geschäftsgründerinnen. Auf ihrem Handy befinden sich zahlreiche Fotos, die Strassenbilder aus verschiedenen Autonomiegebieten im Westjordanland zeigen. Auf ihren Bildern sind aber auch Männer zu sehen, die an der Strasse stehen und darauf warten, dass sie Arbeit angeboten bekommen. Im Westjordanland gibt es zahlreiche arbeitslose Bauarbeiter. Auf der anderen Seite gibt es aber auch in den palästinensischen Autonomiegebieten Baufirmen, die händeringend nach Facharbeitern suchen und keine Chance haben. Genau hier beginnt das Startup-Unternehmen von Rowan Alawi. Sie hat eine digitale Plattform entwickelt, auf der sich Bauarbeiter und Firmen gleichermassen registrieren können. Damit sollen Angebot und Nachfrage zusammenkommen und koordiniert werden. Ihr Startup unter dem Namen „Amalwork.com“ hat sie gemeinsam mit ihrem Vater, der ebenfalls aus der Baubranche kommt, gegründet. Allein in den ersten beiden Monaten konnte sie 600 Registrierungen verzeichnen. Genauso schnell gab es die ersten Vermittlungen. Gebühren werden lediglich von den Baufirmen erhoben.

Grenzen überwinden dank der Digitalisierung

Die junge Palästinenserin ist sich sicher, dass dank der Digitalisierung die Hindernisse an den Grenzen überwunden werden können. Trotzdem will sie keine Arbeiter nach Israel vermitteln. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass Arbeitsgenehmigungen sehr schwer zu bekommen sind. Ein weiterer Grund ist der massive Schwarzhandel mit den Genehmigungen.

Nicht nur Rowan Alawi hat dank der Technologie die Möglichkeit entdeckt, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Immer mehr junge Menschen erkennen für sich Wege, um mit technischen Innovationen ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Online kann jeder erreicht werden und die Welt wird damit immer kleiner und übersichtlicher. In Palästina werden mehr als 20 % der Start-ups von Frauen ins Leben gerufen. Wie erfolgreich sie sind, wird auch am Beispiel von Abu Tair deutlich. Schon mehrfach erhielt sie Auszeichnungen wie den „Best innovator of Palestinian Innovation and Creativity.“ Sie hat die Plattform „Wazza“ gegründet. Diese Plattform setzt künstliche Intelligenz ein, um Schüler und Studenten bei ihrem Studium zu unterstützen.

Die Anzahl der Start-ups in den palästinensischen Gebieten ist unbekannt. Abu Tair, die sehr gut vernetzt ist, schätzt ihre Zahl auf mehrere 100. In Palästina liegt die offizielle Arbeitslosenquote bei 27 %. Die tatsächlichen Zahlen dürften bedeutend höher sein. Es ist also durchaus interessant, sich seinen Lebensunterhalt mit einem eigenen Unternehmen zu verdienen. Nicht selten scheitern die Versuche allerdings am Kapital oder an der Vernetzung.

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